7. – 13. Schuljahr

Friedemann Hönsch

Jugendliche auf die Reise schicken

Ein Reisebericht in doppeltem Sinne

In der Arbeit des CVJM ist Spiel in jeglicher Form fester Bestandteil, dies gilt auch für die Ausbildung von Gruppenleiter*innen. Der Beitrag vermittelt einen Eindruck von dieser Multiplikator*innen-Schulung im Modul Spielpädagogik und zeigt die Herangehensweise in der CVJM-Arbeit und die oft unglaubliche kreative Kraft, die Jugendliche von Natur aus mitbringen.

Zunächst gibt es auf der Schulung eine Einführung in die Theorie der Spielpädagogik, warum wir Spiel als Methode einsetzen, was das Spiel in der Gruppe an Möglichkeiten bietet und was die Spielleitung zu beachten hat. In dem sogenannten Aufbaukurs (zweiter Teil der Gesamtschulung) spielen wir selbstverständlich anschließend sehr viel. Für die Praxis nehmen wir uns eine Einheit von drei Stunden Zeit, um für den Abend des selben Tages eine Spielkette vorzubereiten. Dieser Spieleabend wird dann zusammen mit dem parallel stattfinden Grundkurs durchgeführt. Jugendliche bereiten also ein Programm für Jugendliche vor.
Es scheint jedes Mal fast unmöglich zu sein, in so kurzer Zeit einen ansprechenden Abend zu gestalten. Tatsächlich aber sind wir im Team immer wieder begeistert, was die Jugendlichen für eine Kreativität entwickeln. Ein wenig liegt das an der Struktur. Schließlich wissen die Teilnehmenden des Grundkurses, dass sie ein halbes Jahr später mit der Gestaltung eines entsprechenden Abends an der Reihe sind. Darauf fiebern sie gewissermaßen schon hin. Die Motivation für die Gestaltung eines solchen Abends ist also von vornherein schon da.
Und so sammeln die Jugendlichen für die abendliche Einheit Spiele, die sie kennen und denken sich eine Rahmengeschichte aus. Vorzubereiten brauchen wir als Team tatsächlich kaum etwas. Schließlich geschieht alles durch die Anwesenden in der Gruppe selbst.
Lediglich ein paar geeignete Warm-up-Spiele zur Motivation und um die Gruppe „in Gang zu bringen, haben wir parat. Aber auch hier bringen die Jugendlichen bereits eigene Ideen ein, die für uns manchmal überraschend und überwältigend sind.
Während üblicherweise im Vorfeld noch kein Thema für den Abend ausgesucht wird, war es bei der Frühjahrsschulung in den Osterferien in diesem Jahr anders. Da für diese Ausgabe von „gruppe & spiel ein Beitrag von uns eingeplant war, haben wir als Thema vorgegeben: Spiele, die auf Reisen durchgeführt werden können. Schließlich sind die Ideen der Jugendlichen es allemal wert, veröffentlicht zu werden.
Einzige Schwierigkeit für uns als Team bestand in der Größe der Gruppe. Allein im Aufbaukurs hatten wir 29 Teilnehmende. Das ist für kreative Gruppenarbeit, bei der am Ende ein Ergebnis stehen soll, durchaus herausfordernd. Aber „die Jugendlichen werden es schon machen war unsere Devise.
Sich überraschen lassen
Gleich am Anfang gab es eine Überraschung. Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Neele brachte aus ihrer theaterpädagogischen Arbeit bei „TEN SING1 eine Warm-up-Übung mit, deren Funktionsweise nicht neu, dennoch aber durch ihre mitgelieferte Mimik und ihrer Präsenz in der Durchführung die Gruppe regelrecht von den Stühlen geholt hat.
Es handelt sich um eine Übung, die zum Grundprinzip hat, Geräusche und Bewegungen der vortragenden Person laut im Chor zu wiederholen. Dabei wird eine kleine Geschichte erzählt und die pointierte Wendung kommt überraschend. Anschließend wirkt die Gruppe wie elektrisiert und ist bereit, sich auf (fast) alles einzulassen, was an Vorschlägen gemacht wird. Diese Aufwärmübung („Ich geh mir jetzt nen Quietschie holen) ist ebenfalls unter den Spielbeschreibungen zu finden, auch wenn es am Spieleabend selber gar nicht mehr vorkam, weil sie für die Gruppendynamik letztlich sehr wichtig war. Darin drückt sich die wertschätzende Herangehensweise unserer Arbeit aus, ohne die aus unserer Sicht ein vertrauensvolles Miteinander (und das braucht es im Spiel) nicht möglich wäre.
Zeit für eigene Ideen
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